Asymmetrie

Asymmetrie ist umgangssprachlich das Gegenteil von Symmetrie. Von Asymmetrie wird nur dann gesprochen, wenn es in dem jeweiligen Bereich auch symmetrische Formen gibt.

In der Medizin wird von Asymmetrie gesprochen, wenn sich paarig angelegte Teile des Körpers wie Augen, Ohren oder Gliedmaßen nach Form, Größe oder Lage deutlich voneinander unterscheiden beziehungsweise wenn Körperseiten verglichen nach den an der Medianebene gespiegelten Hälften erheblich verschieden sind.
Zwar zählt der Mensch zu den Bilateria oder Zweiseitentieren, doch ist sein Körper nicht seitengleich aufgebaut. Ersichtlich zeigen dies unpaare innere Organe wie das Herz, die nicht in der Mitte, sondern auf einer Seite liegen (Lateralisation). Die typische Links-Rechts-Asymmetrie ihrer Lage wird in der Embryogenese festgelegt und vermittelt durch Signalproteine (z. B. Nodal). Dabei führt die ontogenetische Entwicklung sehr selten zu abweichenden Lagen von Organen oder Transpositionen von Gefäßen (Heterotaxie), unter Umständen mit spiegelverkehrtem Lagebild (Situs inversus); äußerst selten ist ein Entwicklungsverlauf ohne Symmetriebruch (Isomerismus).
Die paarigen Gebilde werden bilateral symmetrisch angelegt. Jedoch werden die meisten, genauer betrachtet, im Weiteren nicht streng symmetrisch ausgebildet, sondern zeigen in der Regel Seitenunterschiede. So sind nicht nur die beiden Ohrmuscheln etwas unterschiedlicher Gestalt und ihre Abstände vom Kopf durchschnittlich um 2 mm verschieden. Auch das Gesicht zeigt charakteristischerweise eine von der rechten verschiedene linke Hälfte. Ebenfalls sind zumeist weder die Arme noch die Beine jeweils genau gleich lang. Ebenso sind sie nicht gleich stark, wie denn bei bestimmten Bewegungsmustern eine Seite bevorzugt wird. Ähnlich verhält es sich mit Anteilen des Gehirns, die anatomisch seitenverschieden sein können und in manchen Regionen auch nach funktionaler Präferenz lateralisiert sind.
Von einer Symmetrie im Körperbau kann daher nur mit gewissen Beschränkungen die Rede sein und in Bezug auf ein abstraktes Modell wie einen Bauplan. Für den gesamten Körper ist sie nicht einmal in Ausnahmefällen gegeben.
In der Mathematik wird eine Relation, die nicht die Bedingung für Symmetrie erfüllt, nicht symmetrische Relation genannt, und eine solche, wenn sie darüber hinaus die Bedingungen für Asymmetrie erfüllt, als asymmetrische Relation bezeichnet.
Davon abzugrenzen ist der Begriff der Antisymmetrie; auch eine antisymmetrische Relation kann nicht symmetrisch sein.
In der Mechanik bringt Asymmetrie oft Nachteile mit sich, zum Beispiel bei ungleicher Belastung durch äußere Kräfte. Im Bauwesen trachtet man ebenfalls oft, unsymmetrische Bauweisen zu vermeiden. Beispielsweise sind die Wirkungen von Erdbeben, aber auch von Windkräften an symmetrischen Hochhäusern etwas geringer, und besonders wichtig ist diese Eigenschaft beim Bau von Fundamenten.
Für manche Anwendungen wird aber Asymmetrie absichtlich hergestellt, wie beim mechanischen Exzenter, bei gewissen Anwendungen des Hebelgesetzes oder beim Abblendlicht von PKW-Scheinwerfern.
Im Jargon der Nachrichtentechnik wird die unsymmetrische Signalübertragung oft kurz nur als „asymmetrisch“ oder „unsymmetrisch“ bezeichnet. Beispielsweise ist mit asymmetrischem Kabel ein Kabel für unsymmetrische Signalübertragung gemeint. Der Begriff „asymmetrisch“ ist in diesem Zusammenhang irreführend, da bereits eine geringe Abweichung zur perfekten Symmetrie (Geometrie) als „Asymmetrie“ bezeichnet wird. In der Nachrichtentechnik ist jedoch eine unsymmetrische Signalübertragung gemeint, bei der eine Wechselspannung übertragen wird, die auf ein Massepotential bezogen ist. Auch eine in der Symmetrie gestörte symmetrische Signalübertragung kann als asymmetrisch bezeichnet werden, wobei ein wesentlicher Unterschied zur unsymmetrischen Signalübertragung besteht.
In der Kryptographie werden Verschlüsselungssysteme, bei denen beide Seiten, Sender und Empfänger, den gleichen Schlüssel benötigen, als symmetrisch bezeichnet. Im Gegensatz dazu stehen Verschlüsselungssysteme, bei denen die beiden Seiten jeweils unterschiedliche Schlüssel verwenden, die asymmetrischen Kryptosysteme.
In der Chemie spricht man bei chiralen (optisch aktiven) Molekülen von asymmetrischen Zentren (besser: stereogenen Zentren), vor allem bei Kohlenstoff-Verbindungen. In sogenannten Chiralitätszentren besitzt beispielsweise ein Kohlenstoffatom vier unterschiedliche Substituenten. Man kann mit Hilfe der Fischer-Regeln oder dem CIP-System derartigen organischen Molekülen eindeutige Namen zuweisen, die die räumliche (dreidimensionale) Struktur eindeutig beschreiben.
Auch in der Kunst ist Asymmetrie oft ansprechender als spiegelartige Ähnlichkeit. So wirkt ein Gemälde oder Foto oft flach, wenn das Hauptmotiv genau in der Mitte platziert ist. Auch eine Diagonale im Vordergrund belebt fast jede Grafik, wie oft an Linol- oder Holzschnitten zu bemerken ist.
Sogar beim Bühnenbild oder in der Musik ist mehr Aufmerksamkeit oder Spannung zu erreichen, wenn die Struktur nicht genau spiegelsymmetrisch ist.
Das Ziel des privaten oder gewerblichen Verkaufes ist es entweder Gewinn zu erzielen oder drohende Verluste zu vermeiden. Hierzu wird in der Kommunikation mit dem potentiellen Abnehmer vor allem Asymmetrische Information mit Hilfe der Verkaufspsychologie angestrebt. Der Abnehmer soll nur scheinbar die Wahl haben, am besten zwischen den vom Anbieter gebotenen Alternativen. Gegenstand asymmetrischer Informationsdarstellung sind regelmäßig die Werbung, das Verkaufsgespräch und die Vertragsverhandlung.
In der Kommunikation ist eine asymmetrische Kommunikation dann gegeben, wenn die Gesprächsbeteiligten nicht gleichberechtigt sind. Beispiel: Interessenkonflikt zwischen einem Vorgesetzten und einer nachgeordneten Mitarbeiterin.
Vergleiche: Paul Watzlawick | Kybernetik
Auch in der Sprachwissenschaft wird viel über die asymmetrische Natur der sprachlichen Zeichen diskutiert. Vgl. dazu S.I.Karcevskij, Du dualisme assymétrique du signe linguistique, in : Znakolog 6-7 (1994/95), Trier 1996, 19-26 (aus dem Französischen von Heinrich Pfandl unter dem Titel: Vom asymmetrischen Dualismus des sprachlichen Zeichens)
Generell ist für viele Themen in der Kunst oder in der Gestaltung von Fassaden, Auslagen, Gärten und so weiter nicht eine symmetrische Raumaufteilung am besten, sondern eine, die dem Goldenen Schnitt nahekommt (etwa 5:8). Manchmal trifft dies auch in den Naturwissenschaften oder der Soziologie zu.

Dietrich Oppenberg

Dietrich Oppenberg (* 29. Juli 1917 in Essen; † 24. März 2000 ebenda) war ein deutscher Verleger und Gründer der Regionalzeitung Neue Ruhr Zeitung.

Nach dem Abschluss der Realschule 1933 absolvierte er eine dreijährige Lehrzeit in einer Essener Anwaltskanzlei, obwohl sein Hauptinteresse von Anfang der Politik galt. Er trat der damals verbotenen SAPD-Jugendorganisation Sozialistischer Jugend-Verband Deutschlands (SJVD) bei und wurde infolgedessen 1936 wegen illegaler politischer Betätigung zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt, man warf ihm Vorbereitung zum Hochverrat vor. Darüber hinaus stand er bis 1945 unter Gestapo-Aufsicht. Dennoch ermöglichte es ihm ausgerechnet der völkische Nationalist Theodor Reismann-Grone, Weggenosse Alfred Hugenbergs und späterer Essener Oberbürgermeister, sich in dessen Verlagshaus bei der Rheinisch-Westfälischen Zeitung mit verschiedenen Tätigkeiten über die Kriegsjahre bis 1945 über Wasser zu halten.
Nachdem ihm im April 1945 die kaufmännische Leitung des Druckhauses Sachsenstrasse übertragen worden war, erhielt er von den britischen Besatzungsbehörden ein Jahr später die Lizenzen für das Rhein-Echo (Düsseldorf) und die Neue Ruhr Zeitung (Essen), deren Verleger und Herausgeber er bis zum Zusammenschluss mit der WAZ-Mediengruppe 1975 blieb. Er engagierte Erich Brost, der 1948 die Westdeutsche Allgemeine Zeitung gründete, als ersten Chefredakteur der Neuen Ruhr Zeitung.
Ebenfalls seit 1946 beteiligte sich Dietrich Oppenberg maßgeblich mit am Aufbau des von ihm mitgegründeten Versorgungswerks der Presse, wo er ab 1951 als Vorsitzender des Verwaltungsrats fungierte. Zeitgleich hatte er auch den Vorstandsvorsitz des Vereins Rheinisch-Westfälischer Zeitungsverleger inne. Dazu kamen 1956 die Mitgliedschaft im Deutschen Presserat, zu dessen Sprecher er mehrfach bis zum Jahre 1972 gewählt wurde, sowie zahlreiche weitere Ämter im Bereich Verlags- und Pressewesen. Zwischen 1982 und 1997 war er Verleger der Verlagsgruppe Econ, Claassen, Marion von Schröder (damals noch in Düsseldorf, inzwischen fusioniert mit den Ullstein Buchverlagen, Berlin).
Seit 1991 vergibt die Stiftung Dietrich Oppenberg den Albert Renger-Patzsch-Preis, einen mit 25.000 Euro dotierten europäischen Fotobuchpreis, zusammen mit der Fotografischen Sammlung im Museum Folkwang. Daneben gibt es den Dietrich Oppenberg-Medienpreis (dotiert mit bis zu 5.000 €) der Stiftung Lesen für junge Journalisten, sowie den Medienpreis der Stiftung Presse-Haus NRZ.
Aufgrund seiner Verdienste für das deutsche Verlagswesen wurde ihm am 8. Juli 1977 durch Bundespräsident Walter Scheel das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. 1992 erhielt er die Auszeichnung Prof. Dr. h. c. von der Ruhr-Universität Bochum für seine Arbeiten im Bereich Publizistik und Kommunikationswissenschaft. Die Dietrich Oppenberg Akademie für hospizliche Bildung und Kultur mit Hauptsitz in Essen-Steele wurde ebenso nach ihm benannt wie der Dietrich-Oppenberg-Platz im Essener Zentrum, wo sich auch das Verlagshaus der Neuen Ruhr Zeitung befindet.

Ralf Schulte-Bahrenberg

Ralf Schulte-Bahrenberg (* 1934; † Januar 2010) war ein deutscher Konzertveranstalter für Jazz, Pop und Rock und Kunsthändler.
Schulte-Bahrenberg leitete (als Kaufmann) mit Joachim-Ernst Berendt 1959 bis 1961 die Essener Jazztage (mit Konzerten in der Grugahalle), eines der ersten großen deutschen Jazzfestivals der Nachkriegszeit nach dem in Frankfurt (Deutsches Jazzfestival). Beispielsweise fand 1960 ein Konzert mit Dave Brubeck und Bud Powell (mit Oscar Pettiford, Kenny Clarke, Coleman Hawkins) statt, das auch als Platte veröffentlicht wurde. Nach eigenen Worten waren das Lehrjahre auch für Berendt; Schulte-Bahrenberg verlor damals viel Geld wegen Konflikten mit Norman Granz. 1964 gründete er dann mit Berendt die Berliner Jazztage (mit beteiligt war auch George Wein). Er leitete das Berliner Jazzfestival von kaufmännischer Seite bis in die 1980er Jahre. 1980 kam es zu einer heftigen Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Leiter George Gruntz. Schulte-Bahrenberg brachen die Einnahmen weg; er gab der angeblich sehr Jazz-puristischen Programmgestaltung von Gruntz die Schuld. Da beide nicht mehr miteinander redeten, eskalierte dies 1981 in einem Gerichtsverfahren, nach dem die Jazztage umbenannt werden mussten in Berliner JazzFest. Organisator war nicht mehr Schulte-Bahrenberg, sondern die Berliner Festspiele GmbH.
Schulte-Bahrenberg war auch Mitorganisator der deutschen Konzerte der Rolling Stones und The Beatles. 1964 organisierte er einen Teil der Europa-Tour von Charles Mingus, wobei es zum Eklat mit dem schwierigen Mingus kam.
Der Kunsthändler war selbst Sammler afrikanischer Kunst. Seine gesammelten Kunstwerke wurden in der Ausstellung Tansania- Glaube, Kult und Geisterwelt in Duisburg (Kultur- und Stadthistorisches Museum) 2007/2008 und Schwaz (Haus der Völker) 2009 gezeigt, bevor sie auf einer Auktion verkauft wurden.

Maksim Eftimow

Maksim Eftimow (bulgarisch Максим Евтимов; * 28. Mai 1995 in Sofia) ist ein bulgarischer Eishockeyspieler, der seit 2013 bei den Ice Devils Sofia in der zweiten bulgarischen Liga unter Vertrag steht.

Maksim Eftimow begann seine Karriere als Eishockeyspieler in der Nachwuchsabteilung von Akademika Sofia. 2008 ging er zum HK ZSKA Sofia, mit dessen U16-Mannschaft er 2010 den bulgarischen Meistertitel errang. Nach diesem Erfolg wechselte er zum HC Benátky nad Jizerou, für den er zunächst mit der U16- und dann mit der U18-Mannschaft in der zweithöchsten tschechischen Spielklasse der jeweiligen Altersstufe antrat. 2012/13 stand er beim BK Mladá Boleslav in der höchsten tschechischen U18-Liga auf dem Eis. Anschließend kehrte er in seine Geburtsstadt Sofia zurück, wo er seither bei den Ice Devils in der zweiten bulgarischen Liga spielt.
Im Juniorenbereich spielte Eftimow für Bulgarien in der Division III der U-18-Weltmeisterschaften 2011, 2012 und 2013, als er nicht nur als Mannschaftskapitän der Bulgaren fungierte, sondern auch als bester Spieler seiner Mannschaft ausgezeichnet wurde, sowie der U-20-Weltmeisterschaften 2012, 2013 und 2014.
Mit der bulgarischen Herren-Nationalmannschaft nahm Eftimow an den Weltmeisterschaften der Division II 2013 und der Division III 2014 teil.

Justo Mullor García

Justo Mullor García (* 8. Mai 1932 in Los Villares, Provinz Jaén, Spanien) ist ein römisch-katholischer Titularerzbischof und emeritierter Präsident der Päpstlichen Diplomatenakademie.
Nach dem frühen Tod des Vaters zog Justo Mullor García mit seiner Mutter nach Almeria, wo er nach dem Abitur in das dort ansässige Priesterseminar des Bistums eintrat. Nach seiner Priesterweihe am 8. Dezember 1954 durch Antonio Kardinal Samorè war er zunächst einige Jahre in der Gemeindeseelsorge tätig, bevor ihn sein Bischof im Jahr 1957 nach Rom schickte, wo er als Alumne des Päpstlichen Spanischen Kollegs St. Joseph zu weiterführenden Studien die Päpstliche Universität Gregoriana besuchte. Gleichzeitig nahm er seine diplomatische Ausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie auf.
Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) und in den Jahren danach im Päpstlichen Staatssekretariat tätig, war er von 1967 bis 1970 Nuntiatursekretär in Brüssel, anschließend von 1970 bis 1975 in Lissabon. Im Jahr 1975 wurde er zum Ständigen Beobachter des Heiligen Stuhls beim Europarat in Straßburg ernannt.
Papst Johannes Paul II. ernannte Justo Mullor García am 21. März 1979 zum Titularerzbischof von Emerita Augusta. Einen Tag später, am 22. März 1979, erfolgte seine Ernennung zum Apostolischen Nuntius an der Elfenbeinküste. Gleichzeitig war er außerdem tätig als Pro-Nuntius in Obervolta, ernannt am 2. Mai 1979, und Pro-Nuntius im Niger, ernannt am 25. August 1979. Die Bischofsweihe spendete ihm Papst Johannes Paul II. am 27. Mai 1979 in Rom; Mitkonsekratoren waren der damalige Sekretär der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, Kurienerzbischof Duraisamy Simon Lourdusamy, und der damalige Offizial im Vatikanischen Staatssekretariat, Kurienerzbischof Eduardo Martínez Somalo.
Nachdem er fast sechs Jahre in Afrika verbracht hatte, ernannte ihn der Papst am 3. Mai 1985 zum Ständigen Vertreter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in Genf. Seinen Dienst dort versah er nicht nur als Repräsentant des Papstes, sondern, wie er mehrfach erklärte, vor allem auch als Anwalt der armen Nationen, welche sich keinen ständigen Vertreter in Genf leisten konnten. Unvergessen ist auch sein Einsatz für die Baltischen Staaten im Jahr 1991, als er nach dem Blutsonntag von Vilnius (13. Januar 1991) in einer Rede vor der Vollversammlung öffentlich die Unabhängigkeit von Estland, Lettland und Litauen forderte, die seit 1940 von der Sowjetunion annektiert waren. Der Heilige Stuhl, dem es in dieser Zeit nicht möglich war, die Bischofssitze dort zu besetzen, hatte immer von einer sedisvacantia rerum politicarum causa, also einer „Sedisvakanz aus politischen Gründen“ gesprochen. Damit wird auch deutlich, dass die katholische Kirche die Annexion der Baltischen Staaten durch die Sowjetunion niemals anerkannt hat.
Am 30. November 1991 wurde Justo Mullor García zum Apostolischen Nuntius in Estland, Lettland und Litauen ernannt, wobei er der erste Botschafter war, der sein Beglaubigungsschreiben dem Staatspräsidenten der jetzt wieder unabhängigen Republik Litauen überreichte. Zusätzlich zu seinen Aufgaben als Nuntius wurde er am 15. April 1992 auch Apostolischer Administrator für Estland in Tallinn / Reval. Seit der Verhaftung (27. Juni 1941) und des Todes (22. Februar 1942) von Erzbischof Eduard Profittlich SJ war mit Justo Mullor García wieder die Jurisdiktion über die Apostolische Administratur hergestellt. Mit großem Engagement begleitete er den Wiederaufbau der Katholischen Kirche im Baltikum, welche mehr als vierzig Jahre unter der Sowjetherrschaft gelitten hatte. Einer der Höhepunkte seiner Tätigkeit in den Baltischen Staaten war dabei der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Litauen, Lettland und Estland vom 4. bis zum 10. September 1993.
Am 2. April 1997 wurde Justo Mullor García, seit dem 28. Juni 1994 transferiert auf das Titularerzbistum Volsinium, zum Apostolischen Nuntius in Mexiko ernannt. Diese Ernennung erfolgte zu einer politisch und diplomatisch schwierigen Zeit auf dem Höhepunkt des Konflikts in Chiapas, einem der ärmsten Bundesstaaten Mexikos, wo die Zapatisten, die sich in der EZLN (Ejército Zapatista de Liberación Nacional) zusammengeschlossen hatten, für die Rechte und die Entwicklung der indigenen Bevölkerung und gegen die Folgen der Globalisierung kämpften. Neben seinem Engagement für die Armen und Schwachen in Mexiko, bemühte sich Justo Mullor García in den drei Jahren seiner Tätigkeit vor allem auch um die Normalisierung der Beziehungen zwischen Mexiko und dem Heiligen Stuhl, ohne dabei jedoch die schwierige Situation der Menschen in diesem Land aus dem Auge zu verlieren.
Nach knapp drei Jahren in Mexiko, am 11. Februar 2000, wurde Justo Mullor García zum Präsidenten der Päpstlichen Diplomatenakademie ernannt. Dieses Amt bekleidete er bis zu seiner Emeritierung, die am 13. Oktober 2007 erfolgte.

Ensemble Phorminx

Das Ensemble Phorminx wurde 1988 von Musikern und Komponisten in Darmstadt gegründet. Ausgangspunkt war die Idee einer unmittelbaren und langfristigen Kooperation zwischen Interpreten und Komponisten.
Werke der Neuen Musik werden von dem Ensemble fast ausnahmslos in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen Komponisten erarbeitet und aufgeführt. Über 80 Kompositionen sind inzwischen für Phorminx entstanden und uraufgeführt worden. Eine wichtige Aufgabe sieht das Ensemble ferner im Aufbau eines breiten, stetig sich entwickelnden Repertoires. Neue Wege der Vermittlung, das Heranführen junger Menschen an die oft schwierige Materie der Neuen Musik ist den Musikern des Ensembles ein wichtiges Anliegen. Dafür wurde das Ensemble 2011 mit dem Darmstädter Musikpreis ausgezeichnet.

Internationale Ferienkurse Darmstadt und Frankfurt Feste, Konzerte im In- und Ausland, Zusammenarbeit mit der Kammeroper Frankfurt (zeitgenössisches Musiktheater), Rundfunkproduktionen, (Südwestrundfunk, Hessischer Rundfunk, Bayerischer Rundfunk, SFB), sowie Konzertmitschnitte dokumentieren die künstlerische Arbeit von Phorminx. Anlässlich des 250. Geburtstags Johann Wolfgang von Goethes konzipierte das Ensemble in Verbindung mit dem Siemens-Kulturprogramm ein Projekt, mit dem es im August 1999 beim Schleswig-Holstein Musik Festival debütierte.
Angelika Bender (Flöte), Thomas Löffler (Klarinette), Carola Schlüter (Sopran), Mariette Leners (Violine), Wolfgang Lessing (Violoncello), Andreas Sommer (Klavier), Bernd Mallasch (Schlagzeug), Helmut Oesterreich (Gitarre )
Hartmut Andres, Volker Blumenthaler, Jörg Birkenkötter, Konrad Boehmer, Giovanni Bonato, Achim Bornhöft, Dieter Buwen, Dietrich Boekle, Alois Bröder, Roberto Carnevale, André Cezanne, Sidney Corbett, Gerald Eckert, Hans Ulrich Engelmann, Johannes Fritsch, Stefan Hakenberg, Keiko Harada, Franz Jochen Herfert, Adriana Hölszky, Nicolaus A. Huber, Jan Kopp, Hubert Machnik, Dario Maggi, Cord Meijering, Olga Neuwirth, Karola Obermüller, Christoph Reimann, Rainer Pezolt, Michael Quell, Younghi Pagh-Paan, Valerio Sannicandro, Burkhard Söll, Andreas Sorg, Stefan Streich, Annette Schluenz, Benjamin Schweitzer, Ernstalbrecht Stiebler, Hans Thomalla, Toni Voelker, Jörg Widmann, u. a.

Corpus Catholicorum

Das Corpus Catholicorum ist die Bezeichnung der Vereinigung der katholischen Reichsstände am Reichstag des Heiligen Römischen Reiches. Das Direktorium hatte Kurmainz inne. Im Gegensatz zum Corpus Evangelicorum, der evangelischen Vereinigung der Reichsstände, war das katholische eher locker gefügt und trat nur sporadisch zusammen. Ein Grund hierfür war, dass die katholischen Reichsstände die beiden Gremien eigentlich nicht für rechtsgültig hielten, ein anderer, dass die katholische Seite durch den Kaiser und den Erzbischof von Mainz in dessen Funktion als Reichserzkanzler ohnehin ein strukturelles Übergewicht besaß, welches durch den Vorsitz im Reichsfürstenrat – abwechselnd durch das Erzherzogtum Österreich und das Fürsterzbistum Salzburg – noch verstärkt wurde.
In der Gründung der beiden konfessionellen Interessenvertretungen und deren Hineinwachsen in das Verfassungsgefüge des Reiches lag eine der wesentlichen verfassungsrechtlichen Errungenschaften des Westfälischen Friedens. Zuvor hatte auch in der Auslegung von Zweifelsfragen bspw. des Augsburger Religionsfriedens von 1555, die eine konfessionelle oder religiöse Natur hatten, prinzipiell das Mehrheitsprinzip gegolten.
In den letzten Jahrzehnten des 16. sowie zu Beginn des 17. Jahrhunderts war es nicht mehr gelungen, die wesentlichen theologischen Streitfragen innerhalb des Verfassungsrahmens des Reiches zu lösen. Die Folge war die Lähmung der verschiedenen Reichsorgane und schließlich die Bildung einerseits der Protestantischen Union im Jahre 1608 und andererseits der Katholischen Liga 1609 mit dem Ziel, den Religionsfrieden gegen Übergriffe der jeweils anderen Seite zu schützen.
Gelang es vor und während des Dreißigjährigen Krieges nicht, diese extrakonstitutionellen Zusammenschlüsse in das Verfassungsgefüge zu integrieren, können Corpus Evangelicorum und Corpus Catholicorum letztlich als ideelle Nachfolger dieser Verteidigungsbündnisse betrachtet werden. Indem die Stände beider Konfessionen mittelbar in das Verfassungsgefüge integriert wurden, gelang es, eine jedenfalls in konfessioneller Hinsicht dauerhaft tragfähige konstitutionelle Friedensordnung zu etablieren.

Schlossbergalpe

Die Schlossbergalpe, oft auch „Schlossbergalm“ genannt, liegt am Fuße der Burgruinen Eisenberg und Hohenfreyberg und oberhalb der Ortschaft Zell in der Gemeinde Eisenberg.

Die Ersterwähnung der Schlossbergalpe datiert 1598, als die von Freyberg-Eisenberg ihren Besitz aufgeteilt haben. Dabei sollte an den neuen Besitzer der Burg Eisenberg, Werner Philipp von Freyberg-Eisenberg, auch noch am selben berg ain new erbawens hauß item städel, und stallungen wie auch pomgärtten, enger, und aygne vichwaiden zufallen. Dieses „neuerbaute Haus“ war der Wirtschaftshof der Burg. Er konnte nicht wie die anderen Bauerngüter im Ort innerhalb einer Familie weitergegeben werden, sondern er wurde beim Tod eines Inhabers von der Herrschaft neu verliehen. So bittet 1707 der Schlossbauer Martin Friedl, dass das Anwesen auch auf den Leib eines Kindes verliehen wird. Er werde dafür das „schon wieder baufällige Haus“ richten, wenn die Herrschaft das Bauholz stellt. Wegen dieser besonderen Verhältnisse wird das „Schlossgut“ nicht in den eisenbergischen Lehensbüchern erwähnt.
Der letzte Schlossbauer war Franz Friedl. 1835 bezog er ein neues Anwesen in Zell, das nun den Hausnamen „Schlossbauer“ erhielt. Aus dem Besitz des Freiherrn Joseph Friedrich von Freyberg-Eisenberg konnte er damals Felder im Wert von 180 Gulden erwerben. Die Schlossbergalpe wurde nun im Winter nicht mehr bewohnt und das Gebiet fortan als Weideland genutzt. Der erste bekannte Pächter war ab etwa 1900 Gottfried Angerer aus dem Eisenberger Ortsteil Speiden. Er ließ am Schlossberg 30-40 Milchkühe weiden und richtete im Hof eine „Käsküche“ ein. Von den 300-500 Liter Milch wurde Rundkäse hergestellt, der in der Umgebung seine Abnehmer fand. In den Sommermonaten wohnte die Familie von Freyberg zeitweise in der Alpe, wo ihr im ersten Stock ein Zimmer reserviert war.
Nachdem Angerer 1923 die Schlossbergalpe aufgegeben hatte, wurde sie vom Waisenhaus in Pfronten zur Versorgung der Vinzentinerinnen und der Heimbewohner gepachtet. Als dann die beiden kinderlosen Freiinnen Olga und Maria von Freyberg ihren Eisenberger Besitz veräußern wollten, konnte er 1938 von der (ehemaligen) Raiffeisenkasse Zell erworben werden. Der Kauf umfasste neben Hof, Garten und Ruinengelände rund 40 Hektar Wald und Weideland. Der Kaufpreis sollte in jährlichen Raten bis 1951 beglichen werden. Danach stand den Freiinnen bis zu ihrem Ableben eine monatliche Rente zu. Ihre Bedingung war außerdem eine Grabstätte im Zeller Friedhof, was 1948 beim Ableben der Maria von Freyberg erfüllt wurde. Auch ihre 1952 verstorbene Schwester fand hier ihre letzte Ruhestätte. Schon beim Verkauf war vereinbart geworden, dass eine Wald- und Weidegenossenschaft gegründet werden muss. Sie lässt noch immer das Gebiet bewirtschaften und hat die Alpe an Pächter vergeben, die zugleich den Hirtendienst versehen.
Die Schlossbergalpe liegt auf rund 1000 m Meereshöhe und ist durch Wanderwege und eine Fahrstraße erschlossen. Von hier aus lassen sich gut die oberhalb liegenden Burgruinen besuchen. Mit der Zunahme des Tourismus entstand in der Alpe ein Gastronomiebetrieb, für den das Gebäude immer mehr renoviert und modernisiert wurde.
Auf der Terrasse kann der Besucher einen reizvollen Rundblick auf die Allgäuer Berge und das Füssener Land genießen. Bei klarer Sicht sind auch die Schlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau zu sehen.
Josef Berkmiller, Die Geschichte der Schloßbergalm seit dem Jahre 1900. In: Rund um den Falkenstein (Mitteilungsblatt des Heimatvereins Pfronten und Umgebung) Nr. 19, 1986, S. 370
Albert Guggemos, Eisenberg im Wandel der Zeit, Gemeinde Eisenberg (Hg.) 2006, S. 484
Bertold Pölcher, Hausgeschichte Eisenberg (Ortsteil Zell), vervielfältigtes Manuskript 2008, S. 256
Schlossbergalm, abgerufen am 2. März 2013
47.61263333333310.592716666667Koordinaten: 47° 36′ 45″ N, 10° 35′ 34″ O

Charles Comte de Lalaing

Comte (Graf) Charles Maximilien Jacques VI. de Lalaing, KC (* 4. März 1856 in London; † 1919) war ein belgischer Jurist und Diplomat.
Charles VI. stammte aus dem flämischen Adelsgeschlecht de Lalaing-Mouillerie. Er war ein Sohn des belgischen Diplomaten Maximilien V. de Lalaing (1811–1881) und seiner Gattin Julia Maria (∞ 17. April 1855), geborene Vibart. Sein jüngerer Bruder war der Maler Jacques de Lalaing (1858–1917). Am 12. April 1888 heiratete de Lalaing in Den Haag Christine-Louise, Baroness du Tour van Bellinchave (* 9. Januar 1866). Aus der Ehe ging unter anderem der Sohn Jacques Maximilien Paul Emmanuel de Lalaing (* 1889) hervor, der wie der Vater Diplomat wurde.
Nach einer Ausbildung zum Rechtsanwalt trat Lalaing 1879 in den belgischen diplomatischen Dienst ein. Seine frühe Laufbahn führte ihn 1881 als 2. Sekretär an die belgische Gesandtschaft in Wien, 1883 an die Gesandtschaft in Bukarest, 1886 als 1. Sekretär an die belgische Gesandtschaft in Berlin und 1887 nach Den Haag. 1889 wurde Lalaing als Botschaftsrat nach London versetzt.
Von 1893 bis 1896 wurde er als Ministerresident in Rio de Janeiro, von 1896 bis 1899 in Bukarest und von 1899 bis 1903 in Bern eingesetzt. 1903 wurde Lalaing, der seit 1884 den Rang eines Attache au Cabinet du Roi innehatte, schließlich zum belgischen Gesandten am Hof von St. James in London ernannt. 1914 beteiligte Lalaing sich an der Gründung der Commission for Relief in Belgium, einer amerikanischen Hilfsorganisation, die unter der Leitung des späteren US-Präsidenten Herbert Hoover die Verteilung von Lebensmitteln im deutschbesetzten Belgien organisierte. Edmund Dene Morel charakterisiert Lalaing für den Ersten Weltkrieg als „einen Gesellschaftsdiplomaten, der einen außerordentlichen Mangel an Verständnis“ für die britische Kriegsführung in Belgien an den Tag gelegt habe.

Bockwindmühle Tornau

Die Bockwindmühle Tornau ist eine Bockwindmühle im zur Stadt Stendal gehörenden Dorf Tornau in Sachsen-Anhalt.
Überliefert ist, dass der Bauer J. D. Haacke die Mühle am 10. November 1710 in Erbpacht übernahm. 1877 erwarb der Müller Alfred Maeße die Mühle. Nach einem Blitzschlag musste die Mühle 1882 teilweise erneuert werden. So machte sich insbesondere eine Erneuerung der beschädigten Flügelwelle erforderlich.
Am 28. März 1897 brannte die Windmühle nieder. Es wird spekuliert, dass es sich um Brandstiftung gehandelt haben könnte. Als Ersatz erwarb man eine 1701 errichtete Bockwindmühle in Zedau. Mit 23 Pferdegespannen wurde die Mühle nach Tornau transportiert und dort noch 1897 am Standort der abgebrannten Mühle wiederaufgebaut. Dabei wurden auch Teile der zerstörten Mühle genutzt, so dass sich heute an der Mühle unterschiedliche Jahreszahlen befinden. 1900 wurde für den Hausbaum der Mühle in Eichstedt eine Eiche gefällt.
Noch bis 1953 wurde in der Mühle Mehl gemahlen. Bis 1972 blieb die Mühle zum Schroten in Betrieb. Bei einem Sturm am 13. November 1972 traten an der Mühle starke Schäden auf, so wurden die Flügel abgeknickt. Die Mühle konnte danach nicht mehr betrieben werden und verfiel. Der Bürgermeister der Gemeinde Insel, Helmuth Zech sowie der Gemeinderat setzten sich für einen Erhalt der Mühle ein. Die Windmühle wurde daher am 1. März 1982 in Volkseigentum überführt. 1984 begann man mit Reparaturarbeiten, wobei man Hilfe durch einen Mühlenbauer aus dem Raum Mecklenburg-Vorpommern erhielt. Die Außenhaut und der Flügelkranz wurden bis 1986 erneuert. 1991 konnte, mit einem Zuschuss aus dem Dorferneuerungsprogramm, das Flügelkreuz neu erstellt werden. Die Maschinen wurden in einen arbeitsfähigen Zustand versetzt, so dass wieder geschrotet werden kann. Besonders um den Erhalt der Mühle verdient machte sich Heinz Grützkau.
Die Bockwindmühle Tornau verfügt über ein Jalousieflügelkreuz. Die technischen Einrichtungen sind vollständig erhalten. So ist sowohl der Mahlgang und der Schrotgang vorhanden. Auch Schäl- und Spitzmaschinen sowie ein Askaniasichter sind erhalten. Gleiches gilt für die typischen Hilfseinrichtungen wie Transmissionen, Elevatoren und einen Aufzug.
52.58317611.783792Koordinaten: 52° 34′ 59″ N, 11° 47′ 2″ O